René Meinert: Wenn sich die Welt immer um René dreht
René Meinert hat es geschafft. Zumindest ist das die Geschichte, die der gebürtige Berliner seit Jahren über sein Leben erzählt.
2013 wanderte Meinert in die USA aus und ließ sich in Las Vegas nieder. Heute betreibt er dort eine deutschsprachige Touragentur, veröffentlicht regelmäßig Videos auf YouTube und war mehrfach in deutschen Fernsehreportagen zu sehen. Wer ihm länger folgt, erfährt einiges über seine Unternehmen, seine Einkünfte, seine Steuerbelastung, seine Auswanderung und darüber, warum er Deutschland bis heute nicht vermisst.
Einer seiner Lieblingssätze lautet: „Nicht quatschen, sondern machen.“
Das passt zur öffentlichen Figur. Während andere noch überlegen, hat René längst gehandelt. Während in Deutschland diskutiert und geklagt wird, ist er gegangen. Er lebt heute, wie er selbst gerne sagt, dort, „wo andere Urlaub machen“.
Daran ist zunächst wenig bemerkenswert. Wer sich ein neues Leben in einem anderen Land aufgebaut hat, darf darauf stolz sein. Interessant wird es erst, wenn man sich nicht nur ein einzelnes Video ansieht, sondern viele.
Dann fällt irgendwann etwas auf.
Erstaunlich viele Geschichten von René Meinert handeln am Ende von René Meinert.
Und zwar nicht nur die Geschichten, die ohnehin von ihm handeln. Auch Spielautomaten, Casinos, andere Spieler, Autofahrer, Kunden und Kritiker entwickeln in seiner Erzählwelt früher oder später eine Beziehung zu René.
Hat man dieses Muster einmal bemerkt, lässt es sich nur schwer wieder überhören.
Der Mann, der es verstanden hat
Meinert erzählt seine Biografie gerne als Kontrast zwischen Deutschland und Amerika. In Deutschland habe er als Selbstständiger zwar gutes Geld verdient, sei aber zunehmend von Steuern, Bürokratie und Institutionen genervt gewesen. Irgendwann habe er die Reißleine gezogen.
Heute erzählt er von drei Unternehmen, einem sechsstelligen Einkommen und einer Steuerbelastung von 16,9 Prozent. Er erwähnt seine Fernsehauftritte und berichtet davon, dass ihn regelmäßig Menschen kontaktieren, die ebenfalls in die USA auswandern möchten.
Der Grundton ist dabei ziemlich konstant: Andere reden, René macht. Andere beschweren sich über Deutschland, René ist gegangen. Andere überlegen noch, René weiß aus eigener Erfahrung, wie es funktioniert.
Das kann man Selbstbewusstsein nennen. Man kann es auch Personal Branding nennen, und vermutlich ist es von beidem etwas.
Bemerkenswert ist weniger, dass er über seine Erfolge spricht. Unternehmer tun das. Auffälliger ist, wie häufig die eigene Erfolgsgeschichte auch bei Themen wieder auftaucht, bei denen sie nicht unbedingt nötig wäre. Es gibt im öffentlichen René-Universum erstaunlich wenige Themen, bei denen René als Referenzgröße völlig entbehrlich ist.
Sogar die Spielautomaten kennen René
Am deutlichsten lässt sich das in seinen Casino-Videos beobachten. Dort entwickeln Spielautomaten erstaunliche geistige Fähigkeiten.
Sie wissen offenbar, wann René mit Freeplay spielt. Sie scheinen zu merken, wann er eigenes Geld eingesetzt hat. Sie ahnen, wann er gehen möchte. Manche wollen nicht zahlen. Andere schulden ihm etwas. Wieder andere sind schlicht „Schweinehunde“.
Ein Automat zögert eine Auszahlung in Renés scherzhafter Interpretation sogar deshalb hinaus, weil er weiß, dass René nach einem größeren Gewinn möglicherweise aufhören würde.
Natürlich ist das ein Witz. Jeder, der einmal an einem Spielautomaten gesessen hat, kennt Sätze wie „Das Ding hasst mich“ oder „Jetzt muss der aber mal zahlen“. Niemand muss René Meinert darüber aufklären, dass ein Spielautomat keine persönlichen Gefühle für einen Berliner Tourguide entwickelt hat.
Was auffällt, ist die Häufigkeit.
Der einzelne Witz ist banal. Nach vielen Videos wird daraus ein Muster. Der Automat reagiert auf René. Das Casino reagiert auf René. Das Glück reagiert auf René. Selbst mathematischer Zufall bekommt in seiner Erzählung erstaunlich oft eine persönliche Komponente.
Alles gerät irgendwann in seine Umlaufbahn
Ähnlich funktioniert es mit anderen Menschen.
Jubelt irgendwo im Casino jemand über einen Gewinn, wird daraus schon einmal die Bemerkung, derjenige habe vermutlich zehn Dollar gewonnen. Gewinnt eine Frau am Nachbarautomaten, interessiert René bald die Frage, warum dieser Automat bei ihr gezahlt hat und bei ihm anschließend nicht. Eine fremde Frau mit Maske wird im Vorbeigehen verspottet. Fährt jemand nicht so Auto, wie René es für richtig hält, stellt sich schnell die Frage, was eigentlich mit „den Leuten“ los sei.
Das sind Kleinigkeiten. Keine davon wäre für sich genommen der Rede wert.
In der Summe entsteht allerdings eine eigenartige Perspektive: Andere Menschen tauchen häufig nicht einfach als andere Menschen auf. Sie werden zu Figuren in der jeweiligen René-Geschichte.
Das gilt sogar für große Unternehmen. Wenn ein Casino ihm Freeplay anbietet, „wollen die ihn wiederhaben“. War das Bonusprogramm eines anderen Casinos seiner Ansicht nach nicht attraktiv genug, hat er nicht einfach beschlossen, dort weniger zu spielen. Dann hat das Unternehmen René „als Kunden verloren“.
Das klingt ähnlich, ist aber nicht dasselbe.
Chairman René
Ein schönes Beispiel dafür ist der Spielerstatus beim Golden Nugget. Auf seinem Spielerkonto wird „Chairman“ angezeigt, was in einem Video durchaus eindrucksvoll aussieht.
Chairman.
Wer das System nicht kennt, könnte beinahe vermuten, dass beim Betreten des Casinos irgendwo die Geschäftsführung zur Begrüßung antritt.
Die Wirklichkeit ist etwas prosaischer. Chairman ist eine reguläre Stufe des Kundenbindungsprogramms. Sie beginnt bei 24.000 Tier Credits. Bei Spielautomaten wird ein Tier Credit für drei Dollar Coin-in vergeben. Wer ausschließlich über diese Art von Slot-Play qualifiziert, erreicht die Schwelle also bei 72.000 Dollar durchgespieltem Einsatz. Das bedeutet nicht 72.000 Dollar Verlust und auch nicht, dass 72.000 Dollar aus der eigenen Tasche in den Automaten gewandert sein müssen. Gewinne werden schließlich immer wieder weitergespielt.
Über Chairman gibt es zudem noch die Stufe „Elite“.
René ist damit zweifellos ein für das Casino interessanter Stammkunde. Nur eben nicht Vorsitzender des Aufsichtsrats.
Auch die regelmäßig erwähnten 50 oder 65 Dollar Freeplay wirken in diesem Zusammenhang weniger majestätisch. Das Casino schenkt ihm dieses Geld nicht aus Dankbarkeit für seine Verdienste um Las Vegas. Es ist Kundenbindung: Jemand hat genügend gespielt, damit es wirtschaftlich sinnvoll erscheint, ihn mit einem kleinen Bonus wieder an einen Automaten zu holen.
Völlig normal.
In Renés Erzählung klingt es nur häufig etwas persönlicher.
Verlieren ist relativ
Selbst Niederlagen lassen sich erstaunlich gut in dieses System einbauen.
In einem seiner Casino-Videos liegt René mehrere hundert Dollar hinten. Dann weist er darauf hin, dass das Video schließlich selbst Werbeeinnahmen generieren werde. Wenn die Zuschauer die Werbung brav durchlaufen ließen, könne der Verlust dadurch möglicherweise teilweise oder sogar vollständig ausgeglichen werden.
Grundsätzlich stimmt das. Ein YouTube-Video kann Geld verdienen.
Trotzdem hat der Gedankengang seinen Charme: René verliert nicht einfach beim Glücksspiel. Im ungünstigsten Fall hat er einen Teil des Verlustes in Content verwandelt.
Zahlt der Automat nicht, ist der Automat ein Schweinehund. Zahlt er später doch, hat sich das Weiterspielen gelohnt. Bietet ein Casino schlechte Leistungen, verliert das Casino René. Und verliert René Geld, bleibt immerhin noch YouTube.
Man muss ihm lassen: Das Narrativ ist robust.
„Da der René gierig ist“
Dabei kann Meinert durchaus über sich selbst lachen. Das ist wichtig, weil es nicht zu dem simplen Bild eines Mannes passt, der keinerlei Selbstkritik verträgt.
In einem Video bekommt er 65 Dollar Freeplay. Nach dem vorgeschriebenen Spiel hat er daraus rund 63 Dollar cashbaren Gewinn gemacht. Er könnte das Geld nehmen und gehen.
Natürlich tut er das nicht.
Er spielt weiter, verliert die 63 Dollar und steckt schließlich noch einen eigenen Hunderter in den Automaten. Seine Erklärung: „Da der René gierig ist …“
Das ist tatsächlich ganz lustig. Und selbstironisch.
Dann gewinnt er.
Aus dem zusätzlichen Hunderter werden 278,50 Dollar. Der vernünftige René wäre also mit 63 Dollar nach Hause gegangen. Der gierige René geht mit 178,50 Dollar Gewinn.
Selbst die Charakterschwäche bekommt ein Happy End.
Genau darin liegt ein Teil seiner Wirkung. Er muss nicht ständig sagen, wie großartig er ist. Er kann sich selbst zum Gegenstand des Witzes machen und trotzdem dessen Held bleiben.
Der Witz als Universalwerkzeug
Überhaupt ist Humor eines seiner effektivsten Werkzeuge.
Würde jemand eine Stunde lang ernsthaft erklären, wie wichtig er für Casinos ist, wie dumm andere Menschen sind und wie viel besser er bestimmte Dinge verstanden hat, wäre das schwer auszuhalten.
René macht meistens einen Witz daraus.
Der Automat hat Angst vor ihm. Das Casino muss ihn zurücklocken. Der andere Spieler hat wahrscheinlich ohnehin kaum etwas gewonnen. Und „der René“ ist eben wieder gierig.
Damit entsteht eine praktische Grauzone. Die Aussage darf großspurig, abwertend oder absurd sein, solange die Verpackung scherzhaft bleibt. Wer darüber lacht, macht mit. Wer sich daran stört, kann leicht so wirken, als habe er einfach keinen Humor.
Das heißt nicht, dass jeder dieser Witze eine heimlich ernst gemeinte Botschaft enthält. Das wäre Küchenpsychologie. Interessanter ist die Frage, welche Funktion die Witze über längere Zeit haben.
Und da fällt auf: Sie erhöhen erstaunlich häufig René, verkleinern jemand anderen, erklären eine Niederlage oder bringen die Geschichte wieder zurück zu ihm.
Dann kommt ein Kunde, der eine andere Version erzählt
Besonders aufschlussreich wird eine öffentliche Selbstdarstellung immer dann, wenn jemand von außen widerspricht.
Ein Kunde veröffentlichte nach einer Las-Vegas-Tour eine ausführliche Rezension. Er empfand die Tour als wenig informativ, störte sich an der „ständigen Selbstbeweihräucherung“ des Guides und schrieb, er habe eigentlich etwas über Las Vegas erfahren wollen und nicht über den Kontostand oder die politische Einstellung des Tourführers. Außerdem habe René bestimmte Berufsgruppen abwertend dargestellt.
Die Rezension war deutlich, aber keineswegs nur negativ. Der Kunde lobte die Dauer der Tour, das kostenlose gekühlte Wasser, den Transfer zu einem gewünschten Zielpunkt und besonders die Fahrt durch verschiedene Wohnviertel. Insgesamt sei es eine „durchaus runde Sache“ gewesen – sofern man mit einer „endlosen Selbstlobhymne des Guides“ leben könne.
René antwortete.
Und zwar nicht mit drei Sätzen.
Aus einer Wahrnehmung wird eine Lüge
Der Rezensent hatte ausdrücklich darauf hingewiesen, dass er seine persönliche, subjektive Wahrnehmung schildere. Er schrieb, er habe die Tour als wenig informativ empfunden.
René antwortete darauf mit einer langen Aufzählung dessen, was er während seiner Tour alles erzähle: Downtown, Stadtgeschichte, Eisenbahn, Mafia, Restaurants, Filmorte, Hochzeitskapellen, Hotels, Bellagio, Siegfried & Roy.
Damit belegt er durchaus, dass während seiner Tour Informationen vermittelt werden.
Nur hatte der Kunde nicht behauptet, René habe drei Stunden lang geschwiegen.
Er hatte geschrieben, dass ihm die Tour zu wenig interessante beziehungsweise tiefgehende Informationen geboten habe. Ob jemand Informationen als interessant empfindet, lässt sich mit einer Liste weiterer Informationen nur begrenzt widerlegen.
Noch bemerkenswerter ist die Wortwahl, mit der René auf andere Kritikpunkte reagiert.
„Schön erfunden und leider frei aus der Luft gegriffen“, schreibt er.
Dann: „Was erlaubst du dir hier eigentlich so eine Lüge zu verbreiten?“
Später fragt er: „Warum lügst du hier erneut?“
Aus unterschiedlichen Erinnerungen wird damit nicht bloß ein Widerspruch, sondern vorsätzliche Täuschung. René kann wissen, was er gesagt hat oder jedenfalls glaubt gesagt zu haben. Was er schwerlich wissen kann, ist, wie der Kunde die Situation tatsächlich erlebt hat.
Für die Antwort spielt dieser Unterschied offenbar keine große Rolle.
Und plötzlich geht es ums Gendern
Dann entdeckt René in der Rezension die Begriffe „Kassierer:innen“ und „Lagerarbeiter:innen“.
Von hier aus nimmt die Antwort eine interessante Wendung. Er beschwert sich über das Gendern, spekuliert, der Kunde sei während der Tour möglicherweise schon „in Rage“ gewesen, weil René nicht entsprechend gesprochen habe, und verabschiedet ihn schließlich mit einem Seitenhieb auf dessen angeblich „wichtige Dinge im Leben wie z.B. Gendern*innen“.
Das ist schon deshalb bemerkenswert, weil einer der Vorwürfe des Kunden lautete, er habe während einer Las-Vegas-Tour zu viel über Renés politische beziehungsweise gesellschaftliche Ansichten erfahren.
Renés Antwort auf diesen Vorwurf besteht teilweise darin, die Schreibweise des Kunden zum Anlass für eine politische beziehungsweise gesellschaftliche Abrechnung zu nehmen.
Das muss man eigentlich nicht weiter kommentieren.
Wenn der Kritiker selbst zum Problem wird
René beschränkt sich allerdings nicht auf die Genderfrage. Er glaubt anhand der Rezension erkennen zu können, „wie“ der Kunde „tickt“. Er spekuliert über dessen emotionale Verfassung und behauptet ohne erkennbaren Beleg, die Rezension sei mit ChatGPT geschrieben worden.
Damit verschiebt sich die Auseinandersetzung.
Es geht nicht mehr nur darum, ob die Kritik stimmt. Jetzt geht es darum, was mit dem Menschen los ist, der sie geäußert hat.
Das ist eine ausgesprochen komfortable Art, mit Kritik umzugehen. Ist der Kritiker selbst das Problem, muss man sich mit seiner Wahrnehmung nicht mehr allzu lange beschäftigen.
Auffällig ist auch, wie wenig Raum die positiven Teile der Rezension in Renés langer Antwort bekommen. Der Kunde hatte mehrere konkrete Aspekte ausdrücklich gelobt. Die Kritik scheint ihn erheblich stärker beschäftigt zu haben.
Der ganz normale Schlumpf aus Neukölln
In derselben Antwort beschreibt sich René als Hauptschüler, gelernter Industriemechaniker und „ganz normalen Schlumpf aus Berlin Neukölln“.
Die Formulierung wirkt sympathisch und bodenständig. Gleichzeitig benutzt er seine eigene Biografie als Argument dafür, warum er andere Berufsgruppen gar nicht abwerten könne: Er habe schließlich selbst weder Abitur noch studiert.
Der Schluss ist nicht zwingend. Auch Menschen ohne Abitur können theoretisch auf Kassierer herabsehen. Ein Schulabschluss bietet dagegen keinen besonderen Schutz.
Interessanter ist, wie flexibel die Selbstdarstellung funktioniert. Wenn es um Erfolg geht, ist René der Unternehmer mit drei Firmen, sechsstelligen Einkünften und niedriger Steuerquote. Wird ihm Arroganz vorgeworfen, ist er der ganz normale Schlumpf aus Neukölln.
Beides kann gleichzeitig wahr sein. Menschen sind schließlich nicht eindimensional.
Praktisch ist es trotzdem.
„Eine Freundschaft von mir“
Zu den kurioseren sprachlichen Eigenheiten gehört eine Formulierung, die René seit Jahren verwendet. Menschen, die andere vermutlich als „einen Freund von mir“ bezeichnen würden, nennt er gelegentlich „eine Freundschaft von mir“.
Das klingt im Deutschen eigentümlich. Eine Freundschaft bezeichnet normalerweise die Beziehung, nicht den Menschen.
„Diese Freundschaft besteht seit zwanzig Jahren“ klingt völlig normal.
„Eine Freundschaft von mir kommt zu Besuch“ eher nicht.
Psychologisch beweist das selbstverständlich gar nichts. Menschen haben sprachliche Marotten, und manche davon begleiten sie jahrzehntelang.
Im Zusammenhang mit Renés ausgesprochen selbstreferenzieller Erzählweise besitzt die Formulierung allerdings eine unfreiwillige Komik: Selbst der Freund ist sprachlich eine „Freundschaft von René“.
Vielleicht bedeutet das nichts.
Es passt nur verdammt gut.
Ist René Meinert ein Narzisst?
Die naheliegende Versuchung wäre jetzt, eine Ferndiagnose zu stellen. Das wäre unseriös.
Eine narzisstische Persönlichkeitsstörung ist eine klinische Diagnose. Dafür reichen YouTube-Videos, öffentliche Kommentare und Google-Rezensionen nicht. Wir wissen nicht, was René privat empfindet, und wir sehen nur Ausschnitte seines Verhaltens – noch dazu überwiegend solche, die er selbst für die Öffentlichkeit produziert.
Man braucht diese Diagnose allerdings auch gar nicht, um seine Kommunikation interessant zu finden.
In seinem öffentlichen Auftreten finden sich immer wieder Dinge, die zumindest an narzisstische Kommunikationsmuster erinnern: eine starke Selbstbezogenheit, humorvoll verpackte Grandiosität, gelegentliche Abwertung anderer, Statuskommunikation und eine auffällige Härte gegenüber Kritik.
Vor allem aber bleibt René sehr häufig der zentrale Bezugspunkt seiner Geschichten.
Das ist eine Beobachtung, keine Diagnose.
Was bleibt ohne die große Erzählung?
Vielleicht ist deshalb die Frage „Ist René ein Narzisst?“ gar nicht die interessanteste.
Spannender ist, was von der öffentlichen Figur übrigbleibt, wenn man die Selbsterzählung einmal ein wenig herunterdreht.
Dann sieht man einen deutschen Auswanderer, der seit vielen Jahren in Las Vegas lebt. Einen Tourguide. Einen Unternehmer. Einen YouTuber. Einen Mann, der gerne Spielautomaten spielt und offenbar durchaus die Energie hatte, sich in einem anderen Land ein neues Leben aufzubauen.
Eigentlich eine respektable Geschichte.
Vielleicht ist genau das das Kuriose an der ganzen Sache: Sie müsste gar nicht ständig größer gemacht werden.
Das gewöhnliche Casinoangebot muss keine persönliche Einladung sein. Eine Entscheidung, nicht mehr bei Caesars zu spielen, muss nicht zur Geschichte darüber werden, dass Caesars René als Kunden verloren hat. Ein zufälliger Gewinn braucht keinen Spielautomaten, der René endlich verstanden hat. Und ein Kunde mit einer anderen Wahrnehmung muss nicht zwangsläufig lügen, politisch motiviert oder von ChatGPT ferngesteuert sein.
Manchmal ist ein Freeplay einfach ein Freeplay.
Manchmal gewinnt der Typ am Automaten nebenan tatsächlich mehr als zehn Dollar.
Und manchmal findet ein Kunde eine Tour eben nicht besonders gut.
Die Welt kann all diese Dinge tun, ohne dass sie sich gegen René verschworen hat oder um René dreht.
René muss übrigens nie ausdrücklich behaupten, dass sie das tut.
Es reicht, wenn er sie so erzählt.
Kommentare
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Melde dich an um deine Gedanken zu teilen.Geschrieben von Dirk Spahlholz
Veröffentlicht am: 25.8.2026Profil ansehen
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